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#12 30h Woche – 5 Effekte die den Unternehmensgewinn steigern können

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Um 15 Uhr ist meistens Schluss. Nicht nur am Freitag sondern an jedem Tag der Woche. Das bringt eine 30h Woche bei vollem Lohnausgleich so mit sich. Immerhin verkürzt sich die Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden auf 30 Stunden. Für den Unternehmer sind die dadurch entstehenden Kosten daher durchaus zu berücksichtigen.

Betrachtet man den reinen Arbeitszeitverlust, dann verliert der Unternehmer 8,5 Stunden pro Woche pro Mitarbeiter an Leistung. Umgerechnet sind dies 22% an Leistungsverlust. Um diesen Leistungsverlust wieder aufzuholen müsste er also um 22% mehr Mitarbeiter einstellen und hätte so um 22% mehr Kosten.

Muss man tatsächlich mit 22% mehr Kosten rechnen?

Unsere Erfahrungen zeigen, dass in den verbleibenden 30 Stunden mehr geleistet wird als bei einer „normalen“ Arbeitswoche. Nimmt man 100% Leistung bei 38,5 Stunden an, so können bei 30 Stunden ca. 88% der Leistungen umgesetzt werden. Die Kosten für den Unternehmer erhöhen sich also nicht um 22%, sondern lediglich um 12%.

€ 6.000 pro Mitarbeiter pro Jahr

Nimmt man € 50.000 pro Mitarbeiter an Personalkosten an, dann ergeben sich daraus (12%) € 6.000 an Mehrkosten. Bei 20 Mitarbeitern immerhin € 120.000 jährlich. Da stellt sich natürlich die Frage, durch welche Effekte dieser Kostenblock wettgemacht werden kann.

1. Effekt – Mitarbeitergewinnung

Die 30h Woche bei vollem Lohnausgleich lockt natürlich viele potentielle neue Mitarbeiter an. Hat man das Thema einmal für sein Unternehmen bekannt gemacht, dann kommen die Bewerbungen praktisch ohne Zusatzkosten wie:

  • Werbung in Jobportalen (€ 700 – 2.000)
  • Anzeigen in Printmedien (€ 3.000)
  • Personalvermittler (€ 8.000 – 12.000)

Pro Job erreicht man hier schnell Kosten in der Höhe von € 17.000. Bei 5 Mitarbeitern (weil man wachsen will) die man zuzüglich benötigt als ca. € 85.000.- gespart.

2. Effekt – Fluktuation

LinkedIn zufolge wechseln nicht weniger als 13,3 Prozent aller Software-Entwickler einmal im Jahr den Job. Glaubt man dieser Aussage, dann müssen wir bei 20 Mitarbeitern mit jährlich 3 Abgängen rechnen. Abgesehen von den Kosten für die Mitarbeitergewinnung müssen wir nun weitere Aufwände einrechnen:

  • Know How Verlust
  • Einarbeitung neuer Mitarbeiter

In den ersten 6 Monaten wird ein neuer Mitarbeiter kaum die volle Leistung erbringen können. Nehmen wir hier 50% Leistung im Schnitt an, dann kostet uns der neue Mitarbeiter € 17.000 für die Gewinnung und € 13.000 für die Einarbeitung, also ca. € 30.000. Bei 3 Mitarbeitern die stolze Summe von € 90.000.

74% aller Hochschulabsolventen kündigen laut karriere.at wegen fehlendem Ausgleich für angefallene Überstunden. Bei einer 30h Woche sollte dieser Grund für Kündigungen nicht mehr gegeben sein. 74% unserer € 90.000 Fluktuationskosten fallen also weg. € 66.600 gespart!

3. Effekt – Energie und Umwelt

Sind die Mitarbeiter nur von 9:00 -15:00 Uhr (statt bis 17:00 Uhr) im Büro, dann kann die Heizung früher abgedreht werden, es fällt weniger Müll an, die Büros müssen weniger oft gereinigt werden, es wird weniger Strom verbraucht, Telefonkosten verringern sich, selbst der Verbrauch an Kaffee und Klopapier ist geringer. Die Betriebskosten verringern sich also auch um 22%. Ein Betrag von ca. € 15.000 jährlich bei uns.

4. Effekt – Infrastruktur

Manche arbeiten gerne früh am Tag, manche gerne spät. Bei einer geschickten Gestaltung der Dienstpläne könnte man sogar auf die Idee kommen jeden Arbeitsplatz doppelt zu belegen. Einsparungseffekt: ca. € 20.000 jährlich an Mietkosten.

5. Effekt – Schulungskosten

Eine Rahmenbedingung für die 30h Woche ist bei uns die eigene Weiterbildung der Mitarbeiter. Pro Woche stehen nun ja 8,5 Stunden jedem einzelnen Mitarbeiter zur Verfügung die er nicht nur in Form von Freizeit verbrauchen sollte, sondern auch für seine eigene Weiterbildung nutzen sollte. So bleibt er für uns als auch für den Markt attraktiv. Externe Schulungskosten haben sich dadurch massiv reduziert. Pro Mitarbeiter kalkulierten wir mit € 3.000 jährlich, die sich nun auf € 1.000 reduziert haben. Bei 20 Mitarbeitern ein Einsparungseffekt von € 40.000 jährlich

30h Woche macht auch Unternehmer zu finanziellen Gewinnern

Übersicht zu Kosten und Einsparungen:

  Kosten Einsparungen
Erhöhte Personalkosten € 120.000  
Personalgewinnung   € 85.000
Fluktuation   € 66.600
Energie und Umwelt   € 15.000
Infrastruktur   € 20.000
Schulungskosten   € 40.000
     
Gesamt € 120.000 € 216.600
     
Gewinn   + 96.600

Selbst wenn man nicht jede Einsparung vollständig umsetzen kann, so ergibt sich dennoch sehr schnell ein Ausgleich zwischen Kosten und Einsparungen.

Was ist eure Meinung dazu? Warum habt ihr die 30h Woche nicht? Welche Einsparungen seht ihr noch?

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hallo, sehr interessant. Wie geht ihr mit Fortbildungen um die von 9-17 Uhr laufen? Dürfen deine Mitarbeiter eine solche Schulung besuchen? Wie gehst du mit den Mehrstunden solcher Schulungstage um?

    Antworten
    • Hallo Pia
      Vielen Dank für deine interessanten Fragen. Die Arbeitszeit in der 30h Woche beträgt 6h pro Tag, gleichzeitig gilt bei uns zusätzlich die Gleitzeit. Ein Mitarbeiter soll dann arbeiten wenn es im Freude bereitet. Ist er im “Flow” dann kann er gerne länger arbeiten, hat er mal keinen Bock geht er eben früher. Bezogen auf Schulungen von 9-17 Uhr bedeutet dies daher nicht, dass er nach 6h die Schulung verlassen muss.
      Generell fallen alle geleisteten Stunden von der 30. Stunde bis zur 38,5. Stunde bei uns in die von uns sogenannte “Sondermehrarbeit”. In dieser Zeit geleistet Arbeit, wird nicht mehr gesondert vergütet. Auch externe Schulungen fallen unter diese Regelung. In der Vereinbarung mit den Mitarbeitern ist dies wie folgt geregelt:
      10.4 Des Weiteren soll die freie Zeit der Weiterbildung dienen. Dazu zählt das Lesen von Büchern aus unserer Bücherei oder einschlägigen Magazinen, Google Recherchen, die Teilnahme an einschlägigen Veranstaltungen oder der Durchführung experimenteller Versuche. Der Mitarbeiter soll dadurch die neusten Technologien und Methoden in seinem Arbeitsumfeld entdecken und testen und so auf Dauer wertvoll für das Unternehmen sein.
      Dies bedeutet konkret: Nimmt der Mitarbeiter an einer Schulung teil, dann muss er die 6h Arbeitszeit wieder einarbeiten. So ist zumindest unsere aktuelle Regelung. Dies ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, da damit nicht alle Fälle (zB. Schulungen über 1-2 Wochen) geregelt werden können. Daher müssen “Härtefälle” aktuell gesondert in Absprache geregelt werden.

      Antworten

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